Deadly Venoms – die vergessenen Wu-Tang Ladies

Gleich zwei unveröffentlichte Alben gehen auf das Konto der Deadly Venoms, einer Gruppe von vier talentierten, aber glücklosen Female MCs: N-Tyce, Champ MC, Finesse und J-Boo. Probleme mit diversen Labels sorgten dafür, dass das fertige Debüt The Antidote (1998) nie das Licht der Welt erblickte und auch das Folge-Album Pretty Thugs (2000) in irgendeinem Konzern-Keller verstaubte. Eine verdammte Schande, denn die Damen hatten musikalisch ordentlich was zu bieten.

Deadly Venoms: Champ MC, N-Tyce, J-Boo, Finesse (v.l.n.r.)

Die Liste der Unterstützer konnte sich sehen lassen: Zu den Gästen auf dem Erstlingswerks von 1998 zählten unter anderem der Wu-Tang Clan, Cappadonna, La The Darkman und KGB. An den Reglern saßen RZA, Russ Prez (Killarmy, Dom Pachino) und Storm, die einzige Frau bei den Outlawz und bekannt von ihrem Gastpart auf 2Pacs Tradin War Stories. Knaller-Mischung für ein Album, das nie erschienen ist – wenigstens die Mobb-mäßige Single Bomb Threat kam 1997 raus, wie Ihr hier in etwas abgefuckter Qualität sehen könnt:

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Zum zweiten eingestampften Album Pretty Thugs (2000) wurden zwei Videos produziert, eins davon zur bereits 1999 veröffentlichten Single Venom Everywhere. Optisch im besten Blair-Witch-Project Style inszeniert, erinnert mich der Track akustisch stark an Killarmy, Champ könnte man hier rein stimmtechnisch fast mit Rah Digga verwechseln. Beim Hören fragt man sich wieder, warum ausgerechnet diese Gruppe damals in der Versenkung verschwinden musste – das Potenzial für größere Dinge war auf jeden Fall vorhanden.

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Schon bevor die Venoms zusammenfanden, waren die einzelnen Member alles andere als faul und brachten eigenes Material auf den Markt. Nennenswert ist hier vor allem N-Tyce, die seit 1990 mehrere 12-Inches auf Wild Pitch veröffentlicht hatte. Sehr nice finde ich den Track Hush Hush Tip (1993), der mit Method Man in der Hookline das Thema One-Night-Stand mal von der weiblichen Seite aus beleuchtet:

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Champ MC fuhr eher die Hardcore-Schiene und releaste 1994 ein Album namens Ghetto Flava auf EastWest Records. Der Labelname passt gut, denn das Video zur Single-Auskopplung Keep It On The Real gab es trotz New Yorker Herkunft in einer äußerst G-Funk-lastigen Originalversion mit viel Lowrider-Action – sehr gut kommt das Ganze aber auch im Remix von Pete Rock, den Ihr hier seht:

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Die Ladies haben sich jedoch auch als Gruppe nicht unterkriegen lassen und schafften es 2002 dann endlich, als Deadly Venoms ein gemeinsames Album zu veröffentlichen (allerdings ohne Finesse, die die Gruppe mittlerweile verlassen hatte). Nach den vorangegangenen Querelen passt der Titel Still Standing wohl auf kaum eine LP so gut wie auf diese – trotzdem ist es seitdem still geworden um die Crew.

6 Gedanken zu “Deadly Venoms – die vergessenen Wu-Tang Ladies

    • Cover und alles waren schon fertig, veröffentlicht wurden die beiden Alben aber nicht. Die bei Discogs gelisteten CDs sind Promos, die nie in die Läden gekommen sind.

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