Zum Abschied: Ruhe in Frieden, Fresh Kid Ice. Leb wohl, 2 Live Crew.

Dieser Beitrag hier existierte schon ein paar Wochen als Entwurf und sollte eigentlich ein Sommer-Special mit allen Videos der 2 Live Crew bis 1995 werden. Eigentlich. Vor einigen Tagen ist Gründungsmitglied Fresh Kid Ice in Miami gestorben, und was als locker-flockige Clip-Sammlung mit den berüchtigten Videos des Quartetts geplant war, ist jetzt ein Tribute an The Chinaman und seine Crew mit einigen ausgewählten Hits geworden. Ach ja, ein dickes fettes Fickt euch geht an die ganzen sogenannten Hip-Hop-Medien Deutschlands, denen der Tod dieser Legende nicht eine einzige beschissene Zeile wert war, ihr Heuchler.

Mit Luke, Fresh Kid Ice, Brother Marquis und Mr. Mixx fing bei mir alles an. Die 2 Live Crew hatte in meinem Freundeskreis schon zu Grundschulzeiten Legendenstatus. Seitdem ein Kumpel das As Nasty As They Wanna Be-Tape seines großen Bruders mit in die Hofpause gebracht hatte, wurde das Ding reihum ausgeliehen, überspielt und immer wieder gepumpt, gepumpt, gepumpt, bis kaum noch was davon übrig war. Ich war einer der ersten, die sich das Tape zogen, und weil ich meine Aufnahme verlegt hatte, lieh ich mir die Kassette ein paar Wochen später nochmal aus – man konnte kaum noch was verstehen, so beansprucht war das Band. Der Opener Me So Horny hinterließ als Nummer 1 auf der Tracklist den berühmten ersten Eindruck und schlug ein wie eine Bombe. Seit fast 30 Jahren chillt dieses Lied in der VIP-Lounge meiner Rap-Ruhmeshalle und wird diese auch niemals verlassen.

Natürlich verstand damals niemand von uns die kompletten Texte, aber dank der hohen Frequenz an bekannten Four-Letter-Words und den teils überdeutlichen Sprach- und Filmsamples hatte man auch in jungen Jahren ziemlich schnell einen ziemlich guten Eindruck davon, worum es hier im Kern ging. Kombiniert mit dem eingängigen Miami-Sound und diversen Hooks zum Mitgröhlen war sie fertig, die Mischung aus Faszination für die Jugend und Albtraum für Erziehungsberechtigte und Pädagogen.

In den USA war wegen der 2 Live Crew sowieso die Hölle los – ein Richter hatte ihre Musik als „obszön“ eingestuft und ein Verkaufsverbot verhängt. Plattenhändler, die As Nasty As They Wanna Be verkauften, wurden vor laufenden Kameras von der Polizei festgenommen, die Bandmitglieder von der Bühne runter verhaftet (mehr dazu könnt ihr in dieser Doku sehen). Ruhe kehrte erst ein, als ein Berufungsgericht das vorangegangene Urteil kassierte. Hierzulande wurden kleinere Kämpfe ausgefochten. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, dass auf meiner Oberschule in Berlin-Spandau ein Typ in der Parallelklasse (der heute ein bekannter Sänger ist) sein 2-Live-Crew-Shirt auf links drehen musste, weil dem Lehrer die leicht bekleideten Damen darauf nicht passten. Auch im Video zu C’Mon Babe (1989) ließen die Tänzerinnen nichts anbrennen, der Track selber (hier unzensiert zu hören) klingt wie das musikalische Äquivalent zu einem Hardcore-Porno.

Was man in jungen Jahren mitbekommt, das prägt einen. Es kommt heute noch vor, dass sich alte Klassenkameraden, von denen ich seit Ewigkeiten nichts gehört habe, mit einem saftigen FUCK MARTINEZ in meiner FB-Timeline zurückmelden. Für mich war die Musik der 2 Live Crew die Eintrittskarte in die wunderbare Welt des Rap der ignoranten Sorte in all seiner moralisch fragwürdigen Pracht. Luke, Fresh Kid Ice, Brother Marquis und Mr. Mixx waren meine persönliche Old School, schon deshalb würde ich jedem einzelnen von den Jungs ein Denkmal errichten. Für ihre Vorreiterrolle im Kampf für die Meinungsfreiheit hätten sie ohnehin eins verdient.

Zu guter Letzt gibt es noch ein rares Video von Fresh Kid Ice auf Solo-Pfaden: 1992 veröffentlichte er sein Debütalbum namens The Chinaman, das trotz Medienhysterie und Publicity-Hype um seine Gruppe kaum Beachtung fand. Die zweite Auskopplung nach I’ll Be There war Freak’em Down, das im Original Dick’Em Down hieß, selbstverständlich den pöbelnden Luke featurete und sich ohne weiteres auch auf jedem 2-Live-Crew-Album gut gemacht hätte.

Ruhe in Frieden, Fresh Kid Ice.

Ein Gedanke zu “Zum Abschied: Ruhe in Frieden, Fresh Kid Ice. Leb wohl, 2 Live Crew.

  1. Word …… Nice der Beitrag für Fresh Kid Ice . Und zum Thema

    Ach ja, ein dickes fettes Fickt euch geht an die ganzen sogenannten Hip-Hop-Medien Deutschlands !

    Das ist genau Richtig .Sind alles Punks !

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.