Tragedy Khadafi – The Story Of Queensbridge (Dokumentation)

Obwohl er jahrzehntelang Blut, Schweiß und Tränen ins Rap-Game investiert hat, ist Tragedy Khadafi einer der Typen, die eigentlich nie die Props kassiert haben, die ihnen rechtmäßig zustehen. Dabei wäre die Geschichte des Raps aus den Housing-Projects von Queensbridge ohne seinen Einfluss nicht dieselbe. Er prägte den Sound von Gruppen wie Mobb Deep und Capone-N-Noreaga, und ohne seine 1988 gerappten Zeilen The rap automatical, the rhymatical / Forget ill, I get illmatical auf The Rebel hätte wahrscheinlich auch das Debüt von Nas einen anderen Titel getragen. Doch der große Erfolg blieb Tragedy verwehrt.

Zurück auf Start: Als Junior-Mitglied der unantastbaren Juice Crew noch als Intelligent Hoodlum und schwer auf der politischen Conscious-Schiene unterwegs, releaste er 1990 sein Debüt-Album. Der Track Arrest The President, eine von drei ausgekoppelten Singles, schlug wütend in dieselbe Kerbe wie der Output von Public Enemy oder Paris.

Das Folgealbum trug bereits den zukünftigen Namen im Titel: Tragedy – Story of a Intelligent Hoodlum erschien 1993 mit (in der Tracklist nicht erwähntem) Feature vom jungen QB-Partner Havoc auf Pass The Teck und dem Titeltrack zum Westernfilm Posse. Klassiker wie die Single-Auskopplungen Grand Groove und Street Life dokumentieren, wie Intelligent Hoodlum langsam Abstand nahm vom Conscious-Rap, um sich auf Geschichten von den Straßen QBs zu fokusssieren.

Mitte der Neunziger änderte Tragedy seine Marschrichtung dann endgültig. Geprägt von den Ereignissen in seiner Nachbarschaft begann er, sich dem Thug Rap zuzuwenden. Gerade zur rechten Zeit: Tha Dogg Pound hatten soeben ihr umstrittenes New York, New York rausgehauen und im Video fleißig Wolkenkratzer im Big Apple zertrampelt. So etwas konnte man im Battle-erprobten Queensbridge nicht auf sich sitzen lassen, also erklärten sich Tragedy, Capone-N-Noreage und Mobb Deep zur Speerspitze der Gegenoffensive und veröffentlichten 1996 die Antwort L.A. L.A.

Zu dieser Zeit änderte Trag seinen MC-Namen zu Tragedy Khadafi. Die Zusammenarbeit mit seinen Protegés Capone-N-Noreaga gipfelte in dem Album The War Report (1997), auf dem Trag dem Vernehmen nach wesentlich öfter am Mic zu hören war als Capone. Enthalten war hier auch der Track T.O.N.Y.  (Top Of New York), für mich die größte Hymne auf New York gleich nach Kool G Rap & DJ Polo mit Streets Of New York.

An Maxis und Features mangelte es in den Folgejahren nicht, das erste „richtige“ Tragedy-Album erschien trotzdem erst im Jahr 2001. Bis dahin war der Werdegang des MCs auch von diversen Rückschlägen und Knastaufenthalten geprägt, wie die 2005 erschienene Doku Tragedy – The Story Of Queensbridge zeigt. Aber schon der Filmtitel macht klar: Man kann die (Rap-) Geschichte von Queensbridge nicht ohne Tragedy erzählen, seine Story ist die des Viertels und umgekehrt. Die Doku lässt seine Familie und Wegbegleiter wie Havoc, Blaq Poet, Capone, Marley Marl und Killa Sha (R.I.P.) zu Wort kommen, die sich voller Respekt an den Einfluss des MCs zurückerinnern. Tragedy selbst wird natürlich auch interviewt – die meiste Zeit in Handschellen, da er zu Beginn der Dreharbeiten eingeknastet wurde. Leider scheint die Doku nicht zu 100% komplett zu sein, aber was soll’s, für einen äußerst interessanten Einblick in das Leben und Schaffen dieses Queensbridge-Pioniers reicht es allemal.

Part 1

Part 2

Part 3

Part 4

5 Gedanken zu “Tragedy Khadafi – The Story Of Queensbridge (Dokumentation)

    • So eine konkrete Einordnung ist immer schwierig, finde ich. Seine Anfänge als Intelligent Hoodlum würde ich wie gesagt unter Conscious-Rap verbuchen. Da waren seine Texte noch voll mit Politik und Sozialkritik, gepaart mit einer eher positiven Attitüde. Als Tragedy Khadafi würde ich ihn unter Hardcore-/Thug-/Gangsta-Rap einordnen. Nicht, dass er das Politische vollkommen gestrichen hätte, aber die Lyics wurden im Laufe der Zeit wesentlich finsterer, gewalttätiger und teilweise auch ein gutes Stück negativer. Er bezeichnet sich heute ja auch als „Conscious Thug“, also denke ich, seine Musik ist eine Mischung aus allen Richtungen seines Werdegangs.

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