Wu-Tang: Shaolin Style – der Wu-Tang Clan auf der Playstation (1999)

Was man beim Aufräumen nicht so alles findet: Auf einem Aktenordner erblickten meine müden, vom Staub gereizten Augen folgenden Sticker mit der Aufforderung, umgehend klarzukommen:

Shaolin Style PlayStation

Wie unschwer zu erkennen ist, handelt es sich um einen Promo-Sticker für das erste und einzige Wu-Tang-Konsolengame namens Wu-Tang: Shaolin Style für die PlayStation1, 1999 veröffentlicht von Activision. Für den europäischen Markt wurde der Titel Wu-Tang: Taste The Pain gewählt, in der BRD blieb es bei Shaolin Style. Vielleicht war die ursprüngliche Tagline dem deutschen Verleih etwas zu heikel, wenn man das hierzulande stark gestörte Verhältnis zu Gewalt in Videospielen bedenkt. Da die Kämpfer im Game doch recht blutig zu Felde zogen, hätte ein fettes SCHMECKE DEN SCHMERZ auf dem Cover die empfindlichen Menschen von USK und BPjM eventuell zusätzlich beunruhigt. So blieb es bei einem kleinen und dezenten Schmeck den Schmerz auf dem Sticker. Half aber alles nichts: Den in der US-Version enthaltenen Code, mit dem man das Gemetzel in seiner ganzen bluttriefenden Pracht freischalten konnte, suchte man hierzulande vergebens, als „Belohnung“ gab es eine Altersfreigabe ab 12 Jahren. Auf der Rückseite des Covers wurde der Spieler freundlicherweise trotzdem gesiezt.

Höflicher wurde man selten aufgefordert, den Beat zu hören

Höflicher wurde man selten aufgefordert, den Beat zu hören

Obwohl ich eine PS1 besaß, habe ich das Game damals nicht gezockt (erst Jahre später wurde ich durch GTA IV ein temporärer „Playstation-Stubenhocker“, wie es Die L.P. so schön formulierten). Wem es genau so geht, der kann dieses Erlebnis heute dank diverser Gameplay-Videos auf YouTube nachempfinden – zwar nur passiv, dafür aber ungeschnitten. Als Titeltrack des Spiels wurde Rumble von U-God gewählt (zu finden auf dessen 1999er-Album Golden Arms Redemption), das man auch im offiziellen Trailer hören kann.

Wie man sieht, gab es hier vornehmlich was auf die Fresse, unterlegt mit Beats von RZA, drei exklusiven Clan-Tracks und einigen Shout-Ins der Mitglieder persönlich. Die Story handelt vom Master Xin, Hüter des Wu-Tang-Styles, der vom bösen Mong Zhu entführt wurde und vom Clan befreit werden muss. Der vom Spieler gewählte Wu-Member kloppt sich durch Staten Island über das New Yorker Festland bis nach China, um den Meister zu retten und die 36 Kammern zu erobern. Nicht die spektakulärste Handlung, aber wer schon immer mal als Ghostface ein paar Kellen verteilen oder als Ol‘ Dirty Bastard reihenweise Feinde im Drunken-Boxing-Style umknocken wollte, der kam hier voll auf seine Kosten.

Die Rezensionen bewegten sich zwischen positiv und mittelmäßig – gelobt wurde die Möglichkeit, mit vier Spielern gleichzeitig zocken zu können, Kritiker bemängelten unter anderem den steilen Anstieg des Schwierigkeitsgrades im Spiel. Wem das Game trotzdem zu einfach war, der konnte es auch mit dem limitierten Wu-Controller zocken, der mit der Collector’s Edition von Shaolin Style ausgeliefert wurde. Den Gaming-Experten zufolge erwies dieser sich als dermaßen unhandlich, dass an ein vernünftiges Spielen kaum zu denken war. Als Sammlerstück macht das Ding aber doch einiges her, finde ich:

Spüre den Schmerz beim Zocken: Der Wu-Tang Controller

Spüre den Schmerz beim Zocken: der Wu-Tang Controller

Shaolin Style blieb der einzige Gehversuch des Wu-Tang Clans im Videospielsektor. Im Filmbusiness hatte zumindest RZA ein weitaus glücklicheres Händchen, und die musikalischen Erfolge der New Yorker Truppe sprechen ohnehin für sich. Trotzdem, würde ich das Game heute in die Finger kriegen, würde ich mich auf die Suche nach meiner alten Playstation machen. Vielleicht finde ich die ja auch noch beim Aufräumen.

5 Gedanken zu “Wu-Tang: Shaolin Style – der Wu-Tang Clan auf der Playstation (1999)

  1. Ich frage mich warum keine Kommentare mehr auf dieser Seite geschrieben werden? Ist es normal, oder interessiert sich niemand mehr für Rap Musik?

    • Das ist normal, würde ich sagen. Auch bei den größeren Seiten gibt es teilweise nur noch ganz wenige Kommentare, manchmal ist die Diskussions-Funktion sogar ganz deaktiviert. Stattdessen wird direkt bei Twitter/Facebook kommentiert, wo die meisten Seiten ja auch vertreten sind.

    • Echt cooler Bericht, danke! Zocke gerade das Spiel. Habe es in deutsch (wie Du schon schreibst, ohne Blut und „Finish“ am Ende des Kampfs) und in bloody englisch. Es ist richtig geil und ein Tip für alle, die auf HipHop und Oldscoolgames stehen! Da lohnt es sich schon die PS1 oder PS2 wieder vom Dachboden oder aus dem Keller zu holen. Ich persönlich habe mir extra für dieses und ein weiteres Spiel, welches ich nachher noch erwähne, eine gebrauchte PS2 Slim geholt. Habe diese ewige Grafikschlacht und Mapgrößen bei den neuen Spielen satt und empfehle, „by the way“, den Programmierern endlich mal wieder mehr Wert auf den Spielspaß zu legen!! Als gutes Beispiel nenne ich da nun mein zweites Game „NBA Jam“. Das macht sooo Spaß – aber nur in der alten Version von 2004 oder der von 1999 noch mehr (gibt’s glaub nicht für die Playstation). Sony hat sich ja erlaubt, als eine ganz neue Version (glaub 2013) erschien, die alte PS2-Version von 2004 auf der PS3 durch ein Update „inkompatibel“ zu machen… obwohl die neue Version bei weitem nicht an den Spielspaß der alten Version heran reicht… Kohle machen halt. Das hat mich letztendlich dazu bewegt, mir nun wieder eine PS2 Slim zuzulegen, um mal wieder richtig Spaß am Zocken zu haben.

      • NBA Jam auf dem SNES ist eins meiner absoluten Lieblingsspiele! Eigentlich habe ich Sportgames damals gar nicht so sehr gefeiert, aber NBA Jam war die Ausnahme. Mein Bruder hat noch ein SNES samt Spiel im Keller – würde mich mal interessieren, ob man das Ding auch an Fernseher neuerer Bauart anklemmen kann.

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