Bushwick Bill is on a goddamn Hunt with a 12 Gauge Pump

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Bushwick Bill – Little Big Man

Jahr: 1992

Früher war ich oft bei WOM (World of Music, gibt es – zumindest hier in Berlin – nicht mehr), hab in den Platten und CDs gekramt und mir die importierten HipHop-Magazine durchgeblättert, immer auf der Suche nach Infos, Internet gab’s ja noch nicht. Ich hatte noch in Erinnerung, dass „Little Big Man“ von Bushwick Bill im „The Source“-Magazin nicht besonders gut weggekommen ist. Nach einigem Suchen stieß ich auf diesen (im übrigen sehr empfehlenswerten) Blog, der alle Ausgaben der Source nach und nach verfügbar macht. Gute Sache, die Oktober-Ausgabe von 1992 war es also.  Und tatsächlich, nur 2.5 von 5 Mics, und dazu ein paar wenig herzliche Worte des Autors. Damals war ich ziemlich… sagen wir mal, irritiert. Immerhin war ich zu der Zeit schwer unter dem Einfluss des kleinen großen Mannes unterwegs. Meine selbstgemachten Mixtapes beinhalteten immer eine gute Portion von diesem Album, um mich per Walkman zu begleiten.  Der Titeltrack Little Big Man hat mir beim ersten Hören ein breiteres Lächeln verpasst als so manch andere, auch nicht gerade unangenehme Erfahrung dieser Zeit. Der denkbar beste Einstieg in ein Album, das vor schweren Funk-Riffs und verbalen Gewaltexzessen nur so strotzt. Bushwick mordet sich durch Lieder wie Call Me Crazy, Skitso und Chuckwick, gerappt von Bill’s alter ego  „Chuckie“, nimmt sich in erstaunlich nachdenklicher Weise den Klan vor (Letter to the KKK), oder fordert mit seinen Jungs „Take your motherfuckin‘ draws off, bitch!“ (Take’Em Off).

In einer Hinsicht zumindest sind der Source-Mann und ich uns einig: der Höhepunkt des Albums ist Track Nummer 8, „Ever So Clear“ (siehe unten), auf dem Bushwick Bill darüber reflektiert, wie er sein Auge verlor. Ansonsten urteilte die Source: Texte zu brutal, zu frauenfeindlich, und das Psychopathen-Image überholt.

Für mich bleibt dieses Album das beste von Bushwick, und – neben „Mr. Scarface is Back“ – auch das beste Solo-Album eines Geto Boys überhaupt. Genau die richtigen Beats von James Smith und John Bido mit diesem gewissen 90er Down-South-Feeling, textlich gesehen natürlich nur für Hartgesottene, aber das war man aus dem 5th Ward ja sowieso nie anders gewohnt.

Definitiv ein Muss.

In der gleichen Ausgabe der Source erhielt übrigens Willie D’s „Goin‘ Out Lika Soldier“ auch nur 2.5 von den berühmten 5 Mics. Naja, jedem seine Meinung. Ich hab mir jedenfalls die 10 DM für die Zeitschrift bei WOM gespart, bin nach Hause gegangen und hab die Geto Boys gehört.

Tracklist

1.Intro

2.Little Big Man

3.Stop Lying

4.Call Me Crazy

5.Chuckwick

6.Don’t Come To Big

7.Ever So Clear

8.Copper To Cash

9.Dollars And Sense

10.Letter From KKK

11.Take Em‘ Off

12.Skitso

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5 Gedanken zu “Bushwick Bill is on a goddamn Hunt with a 12 Gauge Pump

  1. Die verlinkte „The Source“-Seite ist seit heute nur mit Passwort zu erreichen, ich lass den Link aber noch drin, falls sich das wieder ändern sollte.

  2. Glorreiche Zeiten!!! Höre die Tracks von Bushwick und seinen Kollegen von den Geto Boys heute noch gern. 😉

    Gruß Kapi (Lyrical Prophets)

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