LSD im Weserwasser: Der Klan und sein richtich Gaila Sount (1997 – 2000)

Der_Klan_Gaila_SountVier Jahre nach dem Upload des Clips zu Katzengold von Der Klan ist mir aufgefallen, dass ich der Gruppe hinter diesem raren Stück Mindener Kulturguts noch gar kein eigenes Posting gewidmet habe. Shameful shit, denn im PDNTDR-Special habe ich es schon anklingen lassen: Flashpunks, das erste und einzige Album von Der Klan, war für mich eines der besten Alben der Deutschrap-Geschichte, wahrscheinlich nur noch übertroffen von Feinkost Paranoia mit Dorn im Dritten Auge.

1997 – 1998: Die Anfänge des Klans

Als die Mindener Truppe Ende der 90er auf den Plan trat, brodelte es heftig im Untergrund der BRD, und der Klan – bestehend aus Lord Scan, Italo Reno, Germany und diversen B-Boys und Writern – wollte sein Stück vom Kuchen. Hilfestellung bot der damals schon bekanntere Rapper Curse, der die Crew aus der Mindener Nachbarschaft von Beginn an förderte. Das erste Lied des Klans, schlicht 4 betitelt, datiert von 1997 und war ein Beitrag zur Compilation OWL rockt!, einem auf 500 Stück limitierten Vinyl-Release. Die ersten Zeilen von Germanys Strophe bildeten drei Jahre später die Hook des Album-Tracks Schwitzkasten.

Ab 1998 verstärkte der Klan seine Präsenz im Rap-Game. Lord Scan machte zu dieser Zeit schon solo sich reden, drehte Harte Zeiten von La Familia durch den Remix-Fleischwolf und lieferte auf der Stylewarz-Maxi Heiß wie Feuer/Kalt wie Eis zusammen mit Luxus Chris, Toni-L und Curse ein paar Zeilen ab. Im selben Jahr erschien ein weiterer Beitrag des kompletten Klans auf dem DeutschRap-Sampler Flowzirkus. Das Wort Brett benutze ich eher selten, aber das hier ist eins. Das Vocal-Sample Ab jetzt liegen Köpfe auf den Silbertabletts aus dem Untergrund-Hit Katzengold stammt aus Scans Strophe auf diesem Track.

Ohne eigenes offizielles Release in der Tasche machten sich die Mindener so nach und nach einen Namen in der Szene. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist auch die Performance auf dem Beats & Peaces Mixtape von Zeb.Roc.Ski. und DJ Busy, auf dem die Weser Allstars aka Curse & Der Klan back-to-back harte Rap-Salven spucken (unter anderem auf dem T.O.N.Y.-Beat von Capone-N-Noreaga), perfekt abgerundet durch die raue Qualität des Mitschnitts.

1999 – 2000: Ultimate Chiefrockers und Flashpunks

Ein Jahr später erschien dann die absolut brillante Ultimate Chiefrockers EP auf Fast Forwards Label Put Da Needle To Da Records. Neben dem Titeltrack waren ein Remix desselben mit Curse, das Lord Scan Instrumental Synthetik und der Track Katzengold enthalten. Letzterer ist einer der großen Klassiker des deutschen Untergrund-Raps, den ich gar nicht genug loben kann. Scan kriegt es auch hier irgendwie hin, dass der Beat experimentell klingt, ohne auch nur den geringsten Zweifel daran zu lassen, dass es sich um astreinen Hardcore-Hip-Hop handelt. Lines wie Meine Platte ist wie stolz für das Volk, macht aus jedem Homo Kleinholz wie Terminator Arnold/Die Weser-Wiesen-Dreamboys, gewollt wie das Nazigold/Mit Großkalibercolts versenk ich Prolls wie Chirac Atolls lassen keine Fragen offen. Für mich ist und bleibt Katzengold einer der besten Tracks der DeutschRap-Geschichte.

Das Klan-Album Flashpunks kam ein Jahr später auf PDNTDR raus und featurete Kool Savas, STF, DCS sowie die Mindener Stress & Trauma und (natürlich) Curse. Selten lagen Genie und Wahnsinn dichter beieinander als auf den Produktionen von Lord Scan, und auch wenn es raptechnisch außerordentlich hart zur Sache ging, glänzte der Klan vor allem durch Vielseitigkeit. Ob Storytelling auf Acid, Selbstreflexion oder Rückbesinnung auf die vier Elemente des Hardcore-Raps (Saufen, Kiffen, Ficken und Gewalt): Der Klan bediente ein breites Spektrum, ohne Kompromisse einzugehen und ließ auch den nötigen Schuss Selbstironie nicht vermissen. Als Vorab-Single wurde Gaila Sount gewählt, das Ding mit dem Badewannen-Sample aus Fear And Loathing in Las Vegas – scheinbar einer der Lieblingsfilme von Produzent Scan, was ihn nicht unsympathischer macht.

Dass jeder der Klan-Member auch sein eigenes Ding durchziehen konnte, bewiesen die einzelnen Solo-Tracks Prototyp (Scan), Italian Stallion (Reno) und Privatmann (Germany). Zu den raren Live-Auftritten zählte die Performance auf der Weihnachts-Jam Highnachten in Berlin Kreuzberg, wo ich den Klan das erste und einzige Mal live erleben konnte. An der Feature-Front lieferten die Mindener überzeugende Beiträge für DCS sowie auf Curses Debüt-LP Feuerwasser ab, auf der Lord Scan auch drei Tracks – unter anderem den Reinkommer 10 Rap Gesetze – produziert hatte.

Nach 2000: Trennung und Solopfade

Kurze Zeit nach dem Album-Release trennte sich der Klan, auch wenn der Split nie offiziell bekanntgegeben wurde. Was die wenigsten mitbekommen hatten: Hinter den Kulissen war die Krise innerhalb der Gruppe bereits während der Entstehung von Flashpunks in vollem Gange. In diesem interessanten Interview mit allesreal.de schildert Lord Scan ausführlich, was aus seiner Perspektive zur Auflösung führte – man hatte kurz gesagt einfach zu unterschiedliche Vorstellungen davon, wo die musikalische Reise hingehen sollte.

Nach der Trennung machten die Ex-Klan-Member solo weiter. Scan produzierte für andere Künstler und veröffentlichte 2006 das Album Ich bin’s auf seinem Label Schädelbasis Export. Auch von Italo Reno (Zu schön um wahr zu sein) und Germany (Stunde der Wahrheit) gab es Solo-Werke, als Duo brachten sie das Mixtape Big Minden und die LP Hart aber Herzlich raus. Als Klan haben die drei nicht wieder zusammengefunden, aber ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, was nach Flashpunks noch hätte kommen sollen. Hätten sie es geschafft, ihren Erstling zu toppen? Hätte Scan seinen Beat-Irrsinn auf die Spitze getrieben? Hätte der Planet das überlebt? Diese Fragen bleiben für immer unbeantwortet.

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