KKKlassiker: 30 Jahre „AmeriKKKa’s Most Wanted“ von Ice Cube

Am 16. Mai 1990 kam AmeriKKKa’s Most Wanted, das erste Soloalbum von Ice Cube, in die Plattenläden – und schlug ein wie eine Bombe. Aus mehreren Gründen: Nur wenige Monate zuvor hatte sich Cube von N.W.A getrennt, und das alles andere als einvernehmlich. Dass er sein Solodebüt derart schnell nach der Trennung herausbringen konnte lag auch daran, dass er dafür bereits zu N.W.A-Zeiten fertiggestellte Texte benutzte, die eigentlich für Eazy-Es nächstes Solo-Album bestimmt waren. So musste der Erfolg von AmeriKKKa’s Most Wanted für N.W.A (insbesondere das Management der Gruppe) eine doppelte Ohrfeige darstellen.

Dann der Move, den Großteil des Albums an der Ostküste vom Bomb Squad produzieren zu lassen, dem hauseigenen Producer-Team von Public Enemy – eine solche Allianz war damals eigentlich kaum denkbar. Und auch in anderer Hinsicht riss dieses Album Grenzen ein, nämlich die zwischen ignorantem Gangstatum und dem soziopolitischen Rap, den man vornehmlich von der Ostküste kannte – denn AmeriKKKa’s Most Wanted ist ebenso bodenlos ignorant wie scharfsinnig beobachteter Sozialkommentar. Auf der einen Seite haben wir beispielsweise Tracks wie You Can’t Fade Me über eine ungewollte Schwangerschaft mit der berüchtigten Line What I need to do is kick the bitch in the tummy, auf der anderen Seite sind da Tracks wie Endangered Species mit Chuck D, ein Kommentar zur Situation der Minderheiten in den Ghettos der USA, der auch 30 Jahre nach Erscheinen kein Stück an Aktualität und Wahrheit eingebüßt hat. Gerade Tracks wie dieser werden mit einer derartigen Wucht und Wut vorgetragen, wie es wohl nur einem jungen Mann möglich ist, der das alles hautnah miterlebt. Denn Ice Cube alias O’Shea Jackson war zum Releasezeitpunkt von AmeriKKKa’s Most Wanted gerade einmal 20 Jahre alt – ein Fakt, den man beim Hören schon mal ungläubig beiseite schiebt (genau wie den Fakt, dass es tatsächlich schon 30 Jahre her sein soll, dass dieses Album herauskam).

Ich könnte noch unendlich viel mehr zu diesem umstrittenen, genialen und überaus einflussreichen Klassiker schreiben, auch für mich eine der besten LPs aller Zeiten, aber das haben andere schon getan – ich empfehle jedem diesen Artikel bei Medium/Cuepoint, in dem alle Beteiligten über das Album und jeden einzelnen Track sprechen. Ein Interview mit Ice Cube zum Album in Videoform findet ihr hier. Apropos Video: Der einzige Song des Albums, der es zum Musikvideo gebracht hat, ist Who’s The Mack mit DJ Pooh in der Rolle des „Mack“. Und da ich mich auch mit der Pistole an der Schläfe nicht auf nur einen einzigen Lieblingstrack von AmeriKKKa’s Most Wanted festlegen könnte, schließe ich einfach mit diesem Clip.

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