Deutschrap ’99: „Endzeitstimmung“ mit Lo Budget aus Mainz

Lo Budget & Ässkah

Ach ja, der Jahreswechsel 1999/2000, die gute alte Y2K-Paranoia, als sich relativ viele Leute relativ sicher waren, dass die Welt untergehen wird. Hundertprozentig überzeugt war ich nicht vom bevorstehenden Ende, trotzdem verzichtete ich ’99 sicherheitshalber erst einmal auf Zukunftspläne. Das perfekte Jahr also für einen Track namens Endzeitstimmung – Auftritt Lo Budget aus Mainz: Die Erinnerung ist etwas vernebelt, aber ich bin mir relativ sicher, dass ein Kumpel die Maxi-CD (erschienen auf dem Dortmunder Label Deck8) bei mir anschleppte, wo ich mir die enthaltenen Tracks auf MiniDisc überspielte (immer noch das am meisten unterschätzte Medienformat aller Zeiten).

Ich hatte vorher noch nie was von Lo Budget gehört und nehme an, dass sie – trotz Deck8-Deal – außerhalb ihrer Heimatstadt Mainz relativ unbekannt waren. Sollte dem so gewesen sein, interessierte das die Gruppe auf jeden Fall hörbar herzlich wenig, denn der Track strotzt nur so vor Selbstbewusstsein. Es geht hier auch weniger um Prophezeiungen oder den Weltenbrand, sondern eher ums klassische Representen, gegen den Kommerz und für die Kultur mit Baggy-Jeans und Lederjacken. MC Spark fährt seinen ganz eigenen Style (irgendwo zwischen DV Alias Khryst und Breite Seite und mit jayder Menge Flayvor), Sängerin Marva kommt mit der Hook Tekitha-mäßig aus der Deckung getaucht. Und dann ist da noch der Beat von DJ und Producer The One (2015 verstorben, R.I.P.), der von Anfang an zum Mitbouncen animiert und auf dem man sich auch M.O.P. ganz gut vorstellen könnte.

Wenn es auf Endzeitstimmung heißt 80 Prozent der Reime die wir kicken haben kein Thema, dann zählt der zweite Track auf der Maxi zu den übrigen 20 Prozent. Er kommt wesentlich chilliger und reflektierter als die A-Seite rüber: High Result erzählt die Geschichte von Lo Budget bzw. der drei Rapper Spark, Allison und Cliffi Cliff, auch Marva ist wieder mit am Start.

Dank der YouTube-Empfehlungen bin ich dann gleich noch auf den vermutlich ersten offiziellen Track der Truppe gestoßen: Bände Von Reimen erschien 1997 auf dem Untergrund-Sampler Nordseite 50. Breitengrad, der von Rapper/Producer Ässkah ins Leben gerufen wurde, um einen Überblick über die Mainzer Untergrund-Szene verschaffen sollte. Wer mehr dazu wissen will: Auf dieser Seite von MC Crome (Lyrischer Widerstand) findet ihr einige Infos über den Sampler aus erster Hand.

… und auf der Couch bei Word Cup saßen die Jungs aufgrund ihres Samplerbeitrags auch schon, denn Tyron hatte alle beteiligten Crews/Rapper in seine Sendung eingeladen. Die Folge habe ich definitiv verpasst, denn wie gesagt, mir wurde Lo Budget erst einige Jahre später mit Endzeitstimmung ein Begriff. Hier könnt ihr hören, wie es zum Samplerbeitrag kam, wo die Wurzeln der Crew liegen, was es mit dem Namen auf sich hat, was in Mainz sonst los ist und so weiter:

Außerdem gab es bei Word Cup auch noch eine kleine Freestyle-Session, die ihr hier bewundern könnt.
Ein Album hatten Lo Budget übrigens nie draußen, genau genommen war Endzeitstimmung ihr einziges eigenes Release. Danach folgten noch drei weitere Tracks, ebenfalls Samplerbeiträge – zwei für Deck8-Labelcompilations von 2000 und 2001, außerdem einer für das Producer-Album Kot Uff De Street von Droopy The Hitmachine, ebenfalls von 2001. Den Track von Decks N Mics Volume 2 und Droopy konnte ich auf die Schnelle nirgendwo finden, dafür ist hier zu guter Letzt Besinne Dich von Decks N Mics Volume 1.

Update:

Shout-out an BenZen, der die beiden „fehlenden“ Tracks bei YouTube hochgeladen hat. Hier sind sie:

Lo Budget feat. Lee Buddah – Eins Zwei (vom Decks N Mics 2-Sampler, 2001)

Droopy The Hitmachine feat. Lo Budget – Live & Direkt (2001)

4 Gedanken zu “Deutschrap ’99: „Endzeitstimmung“ mit Lo Budget aus Mainz

    • Ich wurde bei dem Sample auch direkt hellhörig da es mir arg bekannt vorkam. Den Cormega Track hatte ich nicht auf dem Schirm, bei mir war’s dafür von den Visionaries der Track Pangaea vom gleichnamigen Album von 2004. Gut rumgekommen das Sample.

      Zum Artikel: Wie immer nett zu lesen. Den Decks’N’Mics 2 Sampler habe ich hier noch auf CD rumliegen. Da muss ich wohl nochmal in den Track von den Jungs reinhören, die sind mir vom Namen her auch nicht hängen geblieben.

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