20 Jahre „The W“ vom Wu-Tang Clan

Careful…

Als vor 20 Jahren The W erschien, das dritte Studioalbum des Wu-Tang Clan, da hatte die Gruppe ihren Ruf als eine der einflussreichsten Rap-Crews aller Zeiten bereits zementiert – mit ihrem Debütalbum hatten sie 1993 den Grundstein gelegt: Enter the Wu-Tang (36 Chambers) ist einer der Konsens-Klassiker des Genres, selten war sich die Hip-Hop-Welt so einig in ihren Lobpreisungen. Gleichzeitig ist nach so einem Werk die Wahrscheinlichkeit, die Erwartungshaltung des Publikums zukünftig genau so zu befriedigen, verschwindend gering. Und so hatten es weder das Folgealbum Wu-Tang Forever noch The W wirklich einfach. Bei mir schon, denn beide boten genug gute Tracks, um damit die eigenen Mixtapes zu füllen. Und auch wenn The W vom Umfang her um einiges reduzierter als das 2CD-/4LP-Mammut Wu-Tang Forever daherkam, so bot es mit 13 Tracks (plus einem Hidden Track) genug Futter für den Walkman und/oder die heimische Anlage.

Für mich gab es zwei Tracks, die besonders herausstachen: Gleich auf das Intro folgte Careful (Click, Click) – absolut emotionsloser Hardcore-Rap der bedrohlichen Sorte, man muss aufpassen, dass man beim Anhören nicht versehentlich den Kiosk an der Ecke überfällt. Respekt für den Move, diesen Track an die zweite Stelle des Albums zu setzen… jeder Durchschnittshörer, der sich das Album vielleicht wegen Gravel Pit geholt hatte, dürfte relativ abgeschreckt gewesen sein. Auch der Videoclip ist extrem bleihaltig, der Zuschauer wird von jedem einzelnen Clan-Member mit mindestens einer Waffe bedroht und allein aus RZAs Verse sind 50% des Inhaltes rauszensiert (hier gibt es die unzensierte Audio-Version) Click, click!

Der eigentliche Standout-Track ist für mich I Can’t Go To Sleep featuring Isaac Hayes, den ich zu meinen Lieblings-Tracks aus dem gesamten Clan-Kosmos zähle. Das Video beginnt in einem etwas bizarren Setting, dem „Wu-Waisenhaus“, wo sich der Clan in Schlafanzügen kurz vor der Zubettgehzeit noch mit ein paar leichtbekleideten Damen bei der Kissenschlacht vergnügt. Könnte witzig werden, denkt man vielleicht, wird es aber nicht: Nach dem Intro steigt Ghostface Killah in eine der besten Strophen seiner gesamten Karriere ein, 90 Sekunden lang liefert er pure Emotion mit Gänsehaut-Delivery ab und verbreitet ein Feeling, das sich bei mir sonst nur bei Soul-Nummern aus den 60ern und 70ern einzustellen vermag. Walk On By von Isaac Hayes ist in vielen Songs gesamplet worden, und viele davon schätze ich sehr. Aber nie harmonierte das Sample (das fast unangetastet als Loop läuft) mehr mit der Performance eines MCS als hier. RZA schlägt in dieselbe Kerbe nahe der Verzweiflung und ich liebe auch seinen Verse, trotzdem stiehlt GFK hier die Show.

Diese beiden Songs haben bei mir bis heute den stärksten Eindruck hinterlassen, auch deshalb, weil sie zeigen, an welch unterschiedlichen Enden des Spektrums der Clan glänzen kann. Lobend erwähnen muss ich außerdem die Tracks Hollow Bones (ein Vorreiter des heute verbreiteten Drumless-Trends), Protect Ya Neck (The Jump Off) und Jah World. Alles Gute zum Zwanzigsten, The W.

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