Boogiemonsters: Soundtrack für die letzten Tage

BOOGIEMONSTERSEs ist zwar nichts geworden mit dem für gestern angesagten Weltuntergang, aber die Warterei auf den großen Knall war auch nicht umsonst… man konnte sie beispielsweise perfekt dazu nutzen, mal wieder den guten alten Boogiemonsters zu lauschen. Denn wenn es ein Album gibt, das das das Prädikat „Armageddon-Soundtrack“ verdient, dann auf jeden Fall deren 97er-Release God Sound.

BM_ROTS Zunächst war da aber Riders Of The Storm: The Underwater Album (1994), das erste Album der Crew straight aus… Petersburg, Virginia? Ja, tatsächlich. Trotz brodelnder Untergrund-Szene in Richmond war Virginia jetzt nicht unbedingt ein Rap-Mekka, aber „so richtig“ von dort kam auch nur Mondo McCann. Die beiden Brüder Myntric und Yodared waren aus New York City zugezogen, ebenso Vex Da Vortex, der eigentlich aus Alaska stammte. Riders Of The Storm brachte stattliche drei Singles hervor, nachdem der Plattendeal mit Pendulum Records/EMI im Sack war. Als Einflüsse wurden neben den Doors und Bob Marley auch De La Soul und ATCQ genannt, was man mal mehr, mal weniger heraushört. Den Kritikern gefiel das Album vor allem wegen der Lyrics, die sich weit abseits von irgendwelchem 08/15-Gequatsche bewegten – stattdessen wurde genaues Zuhören belohnt.

Soundmäßig wechselten sich straighte Stücke wie das Intro Jugganauts mit seltsameren Sachen wie Old Man Jacob’s Well ab. Die erste Maxi nannte sich Strange, gehört trotz des Titels zur ersten Kategorie und ist ein Genuss für alle, die auf den typischen Mitte-90-Flava und dicke Basslines stehen – hört selbst:

Recognize The Threshholds Of Negative Stress war da irgendwie eine Spur experimenteller mit eingestreuten schrägen Soundelementen und verzerrten Stimmen. Dank der Drums fühlt man sich schon fast wie an der Westküste. Dichtes Ding, textlich auf den Punkt – gefällt mir gut .

In den drei Jahren, die bis zum nächsten Album vergehen sollten, kam es zu einem persönlichen Wandel innerhalb der Crew. Genauer gesagt konvertierte die gesamte Gruppe zur Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Myntric und Yodared verließen die Boogiemonsters, da sie den Hip-Hop-Lifestyle als unvereinbar mit ihrem neu gefundenen Glauben empfanden (Yodared wurde Prediger, siehe hier, und schrieb ein Buch namens Escape from the Black Hole: The True Story of a Former Hip-Hop Artist).

BM_GSMondo und Vex machten unbeirrt weiter und veröffentlichten 1997 das Album God Sound. Trug das erste Album noch Züge verschiedener Religionen und Kulturen, war God Sound ein klares Bekenntnis zum Christentum mit neu-testamentarischen Bezügen en masse. Etwas Besonderes in einer Zeit, in der ein großer Teil der Rap-Kollegen sich in Richtung des Islam orientierte. Im Gegensatz zu Riders… war God Sound auch wesentlich düsterer und pessimistischer gehalten, was kein Wunder ist, denn nach dem Glauben der STA steht das Ende der Welt unmittelbar bevor. Insgesamt waren die Produktionen mehr nach meinem Geschmack als beim Vorgänger, nicht zuletzt, weil hier auch Producer-Legende Domingo die Finger im Spiel hatte. Titelnamen wie Sodom & Gomorrha, Behold A Pale Horse, Mark Of The Beast II weisen den Weg, und der führt laut der Boogiemonsters direkt in den Abgrund und zum jüngsten Gericht, so wie es im Buch der Bücher geschrieben steht. Natürlich gab es auch gemäßigtere Tracks (wie Say Word mit der großartigen Bahamadia), an der Grundstimmung änderte das nicht viel.

Behold A Pale Horse, gleichzeitig ein Bibel-Zitat aus der Offenbarung (…und siehe, ein fahles Pferd…) sowie der Titel des Buches von William Cooper, ist einer der Favoritien des Longplayers. Die Doppeldeutigkeit des Tracknamens kann dank Illuminati- und NWO-Thematiken auf dem gesamten Album unter „gewollt“ verbucht werden.

Ebenfalls hervorragend ist Mark Of The Beast II. Der erste Teil war auf Riders und okay, aber Teil zwei ist Hitlisten-Material. Kommt am besten auf dem Plattenteller, aber die YouTube-Version enthält glücklicherweise das atmosphärische Knistern der Nadel auf schwarzem Plastik.

Der wohl bekannteste Track der Boogiemonsters ist The Beginning Of The End. Nach Meinung vieler Fans ist es das beste Stück, das sie je gemacht haben, und mit dem Beat hat Domingo eine Arbeit nahe an der Perfektion abgeliefert. Die einzige Single, die aus dem zweiten Album ausgekoppelt wurde, und somit auch das einzige Video (gleichzeitig auch das letzte Video der Boogiemonsters) zur LP. Großer Track.

Egal woran man nun glaubt, das Album sollte man in irgendeiner Form besitzen. Und wer God Sound schon hat und ebenfalls denkt, dass es sich gut als Sounduntermalung für das Ende aller Tage eignet, der sollte es vielleicht nicht allzu weit weglegen.

Ein Gedanke zu “Boogiemonsters: Soundtrack für die letzten Tage

  1. Gute Rezension. Ich sehe mein Hinweis im Rass Kass Beitrag hat Resonanz erhalten.
    Ich besitze das Album schon lange. Durch diesen Beitrag habe ich einfach heut mal in God Sound reingehört und es ist ein gutes Album.
    Über ein paar Lieder kann ich mich nicht so begeistern, ich finde R.O.T.S. war mehr Stil, bei God Sound klingt das mir oft zu verschieden. Wohingegen ich das Thema auf God Sound ganz gut finde.

    Kann mich anschließen: Jeder der Ostküsten Alben mag, sollte sich God Sound holen.

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