80 Blocks from Tiffany’s (1979) – Dokumentation über die Gangs der South Bronx

Heute geht es zurück zu den Wurzeln, besser gesagt in die Bronx, Geburtsstätte des Hip Hop und Heimat von Grandmaster Flash, KRS-OneAfrika Bambaataa und so vielen anderen. Warum „Bronx“ seit Jahrzehnten als Synonym für diverse No-Go-Areas verwendet wird, zeigt 80 Blocks from Tiffany’s, eine Dokumentation von 1979 und sowas wie die dreckige Real-Version von The Warriors.

Der Titel 80 Blocks from Tiffany’s steht für die Entfernung zwischen zwei Welten: dem Nobel-Juwelier Tiffany’s an der 5th Avenue auf der einen Seite und der South Bronx auf der anderen. Hier kündigte sich der soziale Verfall bereits in den 1960er Jahren an, zischen 1970 und 1980 glich der Stadtteil einem Kriegsgebiet –  mehr als 40% der Immobilien waren entweder niedergebrannt oder verlassen (mehr dazu siehe hier).

Wenig Hoffnung in der South Bronx

In dieser zerstörten Kulisse spielt der Film von Gary Weis (u.a. Saturday Night Live und L.A. Law), der sich aus dem heimischen Santa Monica, Kalifornien in die östliche Hölle wagte. Die Doku hat keinen Erzähler, sondern setzt sich hauptsächlich aus Interviews sowie realen und einigen nachgestellten (als Reenactment gekennzeichneten) Straßenszenen zusammen. Im Mittelpunkt stehen die beiden Gangs Savage Skulls und Savage Nomads sowie einige Aussteiger, Polizisten und die Sozialarbeiterin und „gute Seele“ Joan Butler.

Aus heutiger Sicht wirkt das Geschehen absolut seltsam. Die Mitglieder der Savage Skulls tragen Stahlhelme mit SS-Runen. Clubbesitzer Heavy streichelt während des Interviews mit 5 Kilo Gold an jeder Hand eine Schlange und nutzt eine Beschallungsanlage in seiner teuren Karre, um die Straße im Hood zu räumen. D.S.R. erzählt mit hypnotischer Stimme, dass er früher Menschen beraubt und vergewaltigt hat, aber jetzt Karatestunden nimmt und ein besserer Mensch ist, während über ihm eine Hakenkreuz-Flagge an der Wand hängt. Und die Cops sehen aus wie die direkte Vorlage für die Gesetzeshüter im Sabotage-Video der Beastie Boys.

Das alles wirkt nicht mal ansatzweise unfreiwillig komisch, und auch wenn der Film in einer großen Block-Party gipfelt, so schwingen die ganze Zeit äußerst bedrohliche Untertöne mit. 80 Blocks from Tiffany’s ist meiner Meinung nach äußerst sehenswert und dokumentiert die letzten Tage einer seltsamen Ruhe vor dem Sturm, den Crack und AIDS in die South Bronx brachten.

Hier seht Ihr die Doku in 8 Teilen und in mittelmäßiger VHS-Qualität, was die Gesamtstimmung noch unterstreicht. Erst 2010 wurde der Film offiziell auf DVD veröffentlicht, vorher kursierten nur einige VHS-Kopien.

80 Blocks from Tiffany’s

4 Gedanken zu “80 Blocks from Tiffany’s (1979) – Dokumentation über die Gangs der South Bronx

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