Sean Price aka Ruck – ein Nachruf auf den Brokest Rapper You Knew

Sean Price Bucktown BartenderMit steigendem Alter denkt man ja häufig, dass man besser auf böse Überraschungen vorbereitet ist als früher, dass einen bestimmte Dinge nicht mehr großartig mitnehmen könnten. Weit gefehlt. Der gestrige Tod von Sean Price hat mich schockiert, als wäre es wieder ’95 und Eazy-E ist gerade gestorben. Ps Musik hat mich seit gut 20 Jahren begleitet. In mindestens 10 davon war er einer der Gründe für mich, weiterhin aktuellen Rap zu hören, auch wenn ich frustriert war von einigen der Entwicklungen, die diese Musik insgesamt durchgemacht hat.

1995 war Sean P noch als Ruck zusammen mit Rock unter dem Namen Heltah Skeltah unterwegs und veröffentlichte die gefeierte LP Nocturnal. Größere Bekanntheit erlangte er auch durch den Untergrund-Hit Leflaur, Leflah Eshkoshka als Teil der Fab 5, bestehend aus Heltah Skeltah und O.G.C.. Es folgte ein weiteres Album mit Ruck, bevor er 2005 unter seinem bürgerlichen Namen Sean Price reinkarnierte und die LP Monkey Barz releaste. Seit diesem Album stand Sean P auf meiner Liste von Favorite-MCs ganz weit oben, mit Onion Heads hatte er für mich einen der geilsten Tracks des neuen Jahrtausends aus dem Hut gezaubert. Es folgten vier weitere, großartige Solos (Jesus Price Superstar, Master P, Kimbo Price und Mic Tyson), Kollabos (z.B. Random Axe) sowie tonnenweise – und ich meine wirklich tonnenweise – Features auf dem Output seiner Rap-Kollegen innerhalb und außerhalb der Boot Camp Clik.

Ob in Form von Features, Freestyles oder auf Albumlänge, dass ich mir Sean Ps Mucke so bedingungslos geben konnte, lag vor allem an zwei Dingen: Seiner Authentizität und seinem Humor. Um sich in Zeiten des immer offener zur Schau getragenen Rap-Materialismus den Titel Brokest Rapper You Know zu verpassen, bedurfte es schon einer gehörigen Portion Selbstironie. Gleichzeitig ließen weder seine Lyrics noch sein Auftreten irgendeinen Zweifel daran, dass es vorteilhafter sein könnte, ihm nicht blöde zu kommen. Was seinen Rap so besonders machte, war der Umstand, dass sich die Komponenten „Sean Price am Mic“ und „Langweile beim Hören“ immer gegenseitig ausschlossen. Auch wenn er zum 234. Mal erzählte, wie er Fake-MCs ohrfeigt, Drogen nimmt/verkauft und dabei auf alles und jeden scheißt, man konnte nicht genug bekommen von seinen Reimen. Im Gegenteil – gespannt wartete man darauf, welchen Lacher er als nächstes auspacken würde. Jedenfalls ging es mir so.

Abgesehen von der menschlichen Tragödie – Sean Price war verheiratet und Vater von drei Kindern – ist es gerade seine Omnipräsenz, die es so schwer macht, zu begreifen, dass er nun nicht mehr da ist. Ich war quasi daran gewöhnt, laufend was Neues von dem MC aus Brownsville zu hören und an dem unverkennbaren Spaß teilzuhaben, den der Mann an Rap hatte. Damit ist es jetzt vorbei. Sean P war eine Legende, ein begnadeter MC und, wie man in unzähligen Interviews sowie auch an den Beileidsbekundungen seiner Wegbegleite sehen kann, einfach ein grundsympathischer, cooler Typ. Sein Tod ist ein schwerer Verlust, für seine Familie, für seine Fans und Kollegen, für Hip Hop.

In einem Interview mit Noisey wurde Sean vor einigen Jahren gefragt, wie er dem Rap-Game in Erinnerung bleiben möchte. Seine Antwort:

I think people will go “Yo! That nigga can rhyme!” And I’m cool with that. It’s the rap game, man. I wish that they would go “he’s dope and had 8 platinum records” but I don’t and that’s cool. For those that don’t know. Sean P? That motherfucker can rhyme. I’m cool with that because motherfucker, I can rhyme!Sean Price

Das konnte er. Ruhe in Frieden, Sean Price.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.