Von A+ bis Youngstas: Rap-Kids der 90er

Ich weiß nicht wie alt Soulja Boy und Konsorten sind, aber die Zeit der ernstzunehmenden Rapper bis 16 scheint definitiv vorbei zu sein. In den 90ern gab es hingegen eine ganze Reihe von Juniors, die mächtig Wirbel machten. Damit sind nicht die allseits bekannten KrisKross gemeint, die mit Unterstützung von Jermaine Dupri und „Jump“ die Charts enterten. Es gab eine Menge Nachwuchs-Talente, die als Protegés von bekannten Größen in Erscheinung traten und frischen Wind ins Geschäft brachten, ohne große internationale Erfolge zu feiern.

Shyheim – One‘s 4 Da Money

Der Wu-Tang-Schützling legte 1994 sein erstes Album The Rugged Child auf den Tisch und verschaffte sich schnell einen Ruf als Ausnahmetalent. Das relativ blutige Erstlings-Video zu On And On lief auf VIVA Freestyle um einige Halbtöne runtergeschraubt – anscheinend dachten die Verantwortlichen, dass hier kein Kind am Werk sein kann, also verwandelten sie Shyheim per Regler in einen kleinwüchsigen Erwachsenen mit Zeitlupen-Video. One‘s 4 Da Money ist ebenfalls vom Debüt des jüngsten Wu-Affiliates, der mittlerweile auf 5 veröffentlichte Alben zurückblicken kann.


Juvenile Delinquintz – Juvenile Delinquintz

Der Hit für alle, die irgendwann in ihrem Leben keine Lust auf Schule hatten: Auch wenn die Zeiten vorbei sind, in denen man sich mit Lehrerproblemen und Langeweile im Unterricht identifizieren konnte, muss man diesen Track mögen. Zu finden ist das ganze auf  der Scheibe Valley Of The Jeep Beats von Public-Enemy-DJ Terminator X. Neben dem sehr unterhaltsamen Video ist auch die positive Message am Ende beachtlich: „Yeah We Say Fuck School / But We Still Get Through“ – pädagogisch definitiv wertvoller als andere Durchhalte-Parolen.


Da Youngstas – Pass Da Mic REMIX

Direkt aus Philadelphia kamen Da Youngstas, bestehend aus den Brüdern Taji und Qu’ran Goodman sowie Cousin Tarik Dawson. Für ihr zweites Album The Aftermath bekamen sie Unterstützung von den Beatnuts, DJ Premier, Marley Marl und Pete Rock. Manch einer kennt sie noch vom 1994er Underground-Hit Hip Hop Ride, der auf YO! MTV Raps rauf und runter lief. Eine ganze Spur härter kommt Pass Da Mic – Q’ran Goodman, der erste  Rapper, ist heutzutage übrigens Producer und hat für Method Man, 50Cent, Keith Murray, A.Z. und Slick Rick gearbeitet.


Jamal – Keep It Real

Jamal Phillips, geboren im legendären Jahre 1979, veröffentlichte 1995 ein Hammer-Album mit Namen Last Chance, No Breaks. Die Def-Squad-Beziehungen schadeten nicht: Der Erick-Sermon-Beat von Keep It Real ist  relaxter als jede Thai-Massage und wohl jedem bekannt, der damals nicht komplett gepennt hat. Heute ist der Mann auf Smoke-A-Lot Records, dem Label von Yukmouth (Luniz) gesignt, ein neues Album steht noch aus.


Illegal – Head Or Gut

Die Crew Illegal, bestehend aus Jamal (siehe oben) und Lil Malik (heutzutage mit Dogg Pound unterwegs), veröffentlichten 1993 ihr erstes und einziges Album The Untold Truth auf Rowdy Records. An den Reglern saßen Lord Finesse, Diamond D und Erick Sermon – letzterer zeichnete sich für den Beats des KrisKross-Diss-Tracks Head Or Gut verantwortlich, auf dem auch Da Youngstas ihr Fett weg bekamen. Das Album ist sehr gelungen, reinhören lohnt sich.


2Low – Funky Lil‘ Brotha

Zum ersten Mal auf dem Geto-Boys-Posse-Track Bring It On aufgefallen, legte der 13-jährige 2Low 1993 mit seinem Debüt-Album Funky Lil Brotha nach – natürlich auf Rap-A-Lot, wie es sich für einen echten Texaner gehört. Features gab es u.a. von Scarface, Devin und Lord 3-2 von den Convicts. Das Album gab es meines Wissens nach nur in einer Clean Version, obwohl sich 2Low bei seinen Gastauftritten auf anderen Alben regelmäßig die Seele aus dem Leib fluchte.


5th Ward Juvenilez – G-Groove

Wieder Houston, wieder 5th Ward, wieder Rap-A-Lot-Records. Das erste Mal in Erscheinung traten die 5th Ward Juvenilez auf dem Album von 2Low (siehe oben), Gastparts bei den 5th Ward Boyz und den Blac Monks folgten. 1995 erschien ihr einziges Album, Deadly Groundz. G Groove mit dem allseits beliebten Mysterious Vibes Sample der Blackbyrds wurde ausgekoppelt, Video inklusive.


A+ – All I See

A+ hatte einige Hochkaräter auf seinem Debüt-Album The Latch-Key ChildA.Z., Mobb Deep und Q-Tip gaben sich die Ehre. Die Single-Auskopplung All I See – eine entspannte, R’n’B-lastige Geschichte mit Styler-Video – bescherte A+ in den USA beachtlichen Erfolg. Das lyrische Talent konnte man dem jungen Mann nur sehr schwer absprechen. Auf dem Folgealbum war dann Enjoy Yourself vertreten, das auch hierzulande ein Hit wurde.


Chi-Ali – Funky Lemonade

Chi-Ali vom Native-Tongues-Kollektiv (Jungle Brothers, ATCQ, De La Soul) brachte im Alter von 14 sein Album The Fabulous Story of Chi-Ali (1992) auf den Markt, an den Reglern saßen u.a. die Beatnuts. Seinen ersten Auftritt hatte er auf dem Posse-Track Pass The 40 von Black Sheep. Die erfolgreichste Single-Auskopplung war Age Ain’t Nothin‘ But A #, aber Funky Lemonade (siehe unten) schlug sich auch nicht schlecht. Wer die Tracks vergleicht, hat den Eindruck, es mit zwei  verschiedenen Rappern zu tun zu haben – Stimmbruch lässt grüßen. Momentan sitzt Chi-Ali ein, weil er vor 10 Jahren den Bruder seiner damaligen Freundin erschoss.

9 Gedanken zu “Von A+ bis Youngstas: Rap-Kids der 90er

  1. sehr geiler post. als Spätgeborener (bzw. Rap-erst-deutlich-später-für-sich-Entdecker) kannte ich ein paar der Sachen auch noch nicht. danke nochmal dafür. 😉

    ansonsten ist das natürlich leider ein weiterer Indikator dafür, wieviel „simpler“ der heutige Mainstream-Rap im Vergleich geworden ist („Mainstream“ in diesem Kontext deshalb, weil die meisten der Aufgezählten doch recht groß waren).

    • Da ist was dran. Früher war die ganze Geschichte zumindest vielfältiger bzw. einzelne Varianten wurden nicht so stark an den Rand gedrängt.

      Ich denke mal diese Kids-Sachen haben sich fast komplett erledigt, weil heute jeder Teenager via YouTube, Myspace oder Soundclick so viele Tracks veröffentlichen kann, wie er will. Die Plattenfirmen signen dann diejenigen, bei denen der Hype stimmt.

    • Geil… die hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm. Ich glaube, ich hab dieses Video mal bei YO! gesehen, evtl. war es auch ein anderes, aber der Name Wascals sagt mir noch was. Hätten optimal hierher gepasst, ich merk sie mir für Teil 2.

    • Hmmm… Du meinst, die trugen ihre Sachen auch verkehrt herum? Da fällt mir spontan niemand ein. Hast Du mehr Infos? Wie viele Leute waren das? Liefen von denen Videos auf VIVA/MTV?

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