Schlichter Dresscode: D-Nice – Call me D-Nice (1990)

Auch wenn einige Rapper es heute anders sehen… mangelndes Talent lässt sich nicht durch das Setzen fragwürdiger Modetrends kompensieren. Der wandelnde Reality-Check für Catwalk-MCs namens D-Nice macht es 1990 vor: Anorak, Rollkragen und Jeans von der Stange – trotzdem besser als du.

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Das Sample kommt von den gut gekleideten The Turtles, die 1968 in Abendgarderobe und mit Stirngardine der Kreissäge ein musikalisches Denkmal setzten: Buzzsaw.

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Vinyl-Retter in Action: Schützt die Rille! mit Tatwaffe, Def Benski, DJ Lifeforce, DCS u.v.a. (1994)

Hip Hop ohne Vinyl? Schwer vorstellbar, und so stemmte sich ein großer Teil der deutschen 90er-Szene kollektiv gegen die CD, die das schwarze Gold endgültig abzulösen drohte. Grund genug für Storm und Scope, die Vertreter des umfangreichen Projekts Schützt die Rille ins Studio zu holen, um ihren frisch erschienenen Sampler vorzustellen.

Den Anfang machen die Vinyl-Retter von Rhymez‘R‘Uz, und auch DJ Lifeforce lässt es sich nicht nehmen, für das Plastik ans Mic zu gehen und ein paar Zeilen in Richtung Industrie zu schießen – Vinyl muss bleiben!

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Die zweite Performance zum Titeltrack kommt von Das Duale Sytem mit den Firmen-MCs Tatwaffe und Def Benski, unterstützt von DJ Splinter hinterm Pult.

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Im Interview erläutern die Beteiligten, unter anderem  DCS, dann nochmal ihre Beweggründe für die Aktion und den Release des Samplers Schützt die Rille: Eine Plattenpresse für schlappe 20.000 Märker soll angeschafft werden, um selber in die Produktion gehen zu können.

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Ob was aus dem ambitionierten Anschaffungs-Ziel geworden ist, weiß ich leider nicht, aber Vinyl ist glücklicherweise nicht totzukriegen: Die Industrie bescheinigte unserem alten Freund aus Plastik 2009 das “Comeback des Jahres”, und das in Zeiten der totalen Digitalisierung – wer hätte das gedacht?

Schönes Wochenende & schmeißt die 1210er an!

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Achtung: Downloads vorerst nicht mehr verfügbar UPDATE

Die Schließung von Megaupload hat andere Filehoster in Panik versetzt, sodass man dort nur noch Dateien runterladen kann, die man selbst hochgeladen hat. Davon betroffen ist leider auch Fileserve, auf dem die Freestyle-Epsioden und anderes Material gehostet werden. Bis eine vernünftige Alternative gefunden wurde, ist der Download leider nicht mehr möglich.

UPDATE 27. Januar: Zumindest Fileserve scheint wieder zu funktionieren, Statusmeldungen bitte in die Kommentare!

http://www.dailymotion.com/video/xta4g

 

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Blowin’ up Chicago: Tha Chamba – Makin’ Illa Noize (1995)

Nachher ist man immer schlauer. Ich kann mich noch erinnern, dass ich mal in dieses Album reinhorchen wollte, es dann aber doch ungehört im Laden stehen ließ…

Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte, denn Tha Chamba haben mit Makin ‘Illa Noize (1995) ein ziemlich gutes Debüt abgeliefert. Bei 8 Tracks und 2 Skits könnte man auch von einer EP sprechen, trotzdem genau nach meinem Geschmack, wie Toxic, Chainsaw und DJ Riot One ihre damals chronisch unterrepräsentierte Heimatstadt Chicago auf die Karte setzen. Ziemlich düster, ziemlich NYC-inspiriert.

Nachdem ich die LP 15 Jahre lang verschlafen habe, bin ich passenderweise über den Upload von Don’t Sleep (nicht auf dem Album) wieder  auf Tha Chamba gestoßen – eine Mahnung aus der Vergangenheit?!

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Das Album ist schon lange “out of print”, ein Re-Release existiert meines Wissens nach nicht, aber dank Internet geht ja heute nichts mehr verloren. Wer sich die Original-CD ins Regal stellen möchte, muss tief in die Tasche greifen: Die Preise im Netz rangieren zwischen 30 und über 100 Euro.

Hood Thang bildet den krönenden Abschluss des Albums – der Track mit dem betonlastigen Video ist also bestens geeignet, auch dieses Posting zu beenden.

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Everything is going according to plan:
Wie aus Zev Love X der Supervillain MF Doom wurde

Als ich die ersten Tracks von MF Doom und sein Album Operation: Doomsday (1999) hörte, hatte ich keine Ahnung, dass ich den maskierten Mann schon fast eine Dekade lang kannte. Rückblick: 1990 lief bei YO! MTV Raps die Prince-Paul-Produktion Gas Face rauf und runter, der erste semi-offizielle Hit der New Yorker Crew 3rd Bass. MC Serch, Prime Minister Pete Nice und DJ Richie Rich wurden auf diesem Klassiker von einem gewissen Zev Love X unterstützt, der hier sein Rap-Debüt ablieferte.

http://www.dailymotion.com/video/xbsxa

 

Bereits seit 1988 bildete Zev Love X, bürgerlich Daniel Dumile, zusammen mit seinem Bruder DJ SubRoc und dem Rapper Rodan (später abgelöst durch MC Onyx) die Gruppe KMD. 1991 erschien ihr erstes eigenes Projekt, das von SubRoc und den Stimulated Dummies produzierte Album Mr. Hood. Features kamen von Grand Puba und Brand Nubian, im Video zur Singleauskopplung Peach Fuzz gaben sich Pete Nice und MC Serch die Ehre und erwiderten den Vorjahresgefallen. Der positive Vibe des Tracks steht exemplarisch für das Album, vom Sound her liegt der Vergleich mit dem frühen Output von Acts wie Jungle Brothers oder De La Soul nahe – allerdings mit einer deutlich politischeren Attitüde. Zu diesem Zeitpunkt ahnte niemand, wie tragisch die Geschichte von KMD enden sollte.

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1993 kam SubRoc bei einem Autounfall in New York ums Leben. Zev Love X verschrieb sich der Fertigstellung des KMD-Folgealbums Black Bastards, nur um mit ansehen zu müssen, wie dieses vor dem Release-Termin aufgrund des umstrittenen Cover-Artworks eingestampft wurde: Ein Musikjournalist hatte mit einer ungesunden Mischung aus Übereifrigkeit und Ignoranz den großen Skandal gewittert und das Label Elektra wegen des Coverbildes scharf angegriffen. Damit nicht genug: Die Plattenfirma beschloss kurz darauf, KMD vom Label zu werfen. Innerhalb weniger Monate hatte sich das Leben von Dumile in einen Scherbenhaufen verwandelt.

Ein Bild aus besseren Tagen: Zev Love X, Subroc, Onyx

Zev Love X kehrte Hip Hop den Rücken, zog in den folgenden Jahren von Depressionen geplagt durch die Straßen New Yorks und übernachtete auf Parkbänken (Quelle). Erst 1997 fand er zur Musik zurück und trat inkognito in den Open-Mic-Cafés des Big Apple auf, das Gesicht versteckt unter einer Strumpfmaske. Die unveröffentlichte LP Black Bastards hatte in der Zwischenzeit als Bootleg für Furore gesorgt und wurde in Untergrund-Kreisen heiß gehandelt. Inspiriert von Dr. Doom, dem Erzfeind der Fantastischen Vier, kam es nun zur endgültigen Verwandlung des MCs: Aus der Nylonmaske wurde Metall, aus Zev Love X wurde Metal Face Doom, und 1997 erschienen die ersten Maxis auf Fondle’Em Records – zuerst Greenbacks, dann Dead Bent.

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Das 1999 erschienene und komplett selbst produzierte Album Operation: Doomsday machte deutlich, das zwischen den Rappern Zev und Doom Welten lagen. Während man KMD einer bestimmten Richtung zuordnen konnte und die Einflüsse relativ deutlich herauszuhören waren, schlug Operation: Doomsday gänzlich neue Wege ein. Sowohl in punkto Rap als auch produktionstechnisch verweigerte sich das Teil sämtlichen Schubladen. Die Tracks waren größtenteils düster, komplex verschachtelt und spielten in einem eigenen, seltsamen Universum. Kennt man den Hintergrund der Transformation von Zev Love X zu MF Doom, kann man vielleicht besser verstehen, warum Dooms Musik so klingt wie sie klingt. Auf dem Meisterstück ? (Questions) featuring Kurious lässt er seinen Bruder SubRoc wissen, wie die Dinge laufen.

“I keep a flick of you with that machete sword in your hand / everything is going according to plan, man”

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RIP SubRoc

In den Jahren nach seinem ersten Album war der Output Dooms gigantisch – während seiner musikalischen Abwesenheit hatten sich Unmengen an kreativen Ideen angestaut. Unter diversen Pseudonymen (King Geedorah, Viktor Vaughn) legte er eine LP nach der anderen auf den Tisch und baute sich so eine kultartige Fanbase auf. Für mich persönlich bildet die Ära zwischen 1997 und 2004 den Höhepunkt von Dooms Schaffen, vor allem die Kollabos mit MF Grimm sind ohne Einschränkung Pflicht. Neuerdings gibt es auch Hoffnung für das sehnsüchtig erwartete MF Doom/Ghostface Killah-Album: 2011, mehr als 20 Jahre nach Zevs Einstand auf Gas Face, haben Doom und Tony Starks die Arbeit an ihrem Kollabo-Projekt wieder aufgenommen (Quelle).

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Pete Rock & CL Smooth: Vinyl-Review @ VIVA Freestyle 1994

Dopeness im Kölner Keller von Groove Attack: Pete Rock und CL Smooth sind zu Besuch und testen aktuelle Neuerscheinungen. Schnell steht fest: 1994 war ein sehr gutes Jahr für Hip Hop. Biggie Smalls, der “new artist comin out in the states“, hat gerade sein Debüt Ready To Die releast… “I think he’s dope“, sagt CL Smooth und rappt ein paar Takte mit. Ebenfalls auf dem Teller drehen sich Heavy D, Black Moon, Common Sense und Walkin Large.

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Golden Samples: James Brown VS Das EFX

Nicht nur Blaxploitation-Fans sollte der Name Black Caesar (1973) ein Begriff sein – unzählige Rapper erwähnten und zitierten die Figur des schwarzen Mafia-Paten Tommy Gibbs oder zollten ihr anderweitig Respekt. Verkörpert wurde der Godfather von Fred Williamson, den man aus Inglorious Bastards (dem Original), der italienischen Black-Cobra-Trilogie (öfter mal im Nachtprgramm von RTL2) oder From Dusk Till Dawn kennt, wo er als  Trucker “Frost” Vampire zerlegt.

Black Caesar gilt nicht nur als relativ anspruchsvolles Drama (jedenfalls für Blaxploitation-Verhältnisse), bemerkenswert ist vor allem der von James Brown und Fred Wesley geschriebene und eingespielte Soundtrack, auf dem man unter anderem auch ein Instrumental-Stück namens Blind Man Can See It findet.

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Spätestens ab Sekunde 46 ist klar, was daraus wurde: Die erste Single von Skoob und Krazy Drayzy, besser bekannt als Das EFX. Der Track They Want EFX (1992) machte die Def-Squad-Member sowie ihren charakteristischen und oft kopierten Zungenbrecher-Style schlagartig berühmt. Das Album Dead Serious enterte die US-Charts und war vollgepackt mit guten Tracks – trotzdem bleibt das düster-bedrohliche Debüt mit dem Kanalisations-Video die Nummer eins ihrer frühen Schaffensphase.

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