Original vs. Remix: House Of Pain – Fed Up (1996)

Das Problem mit einem frühen Hit in der Karriere eines Musikers ist die Gefahr, ein Leben lang darauf reduziert zu werden. So werden House Of Pain zeitlebens als die Jungs gelten, die Jump Around gemacht haben. Dabei hat das Trio aus Kalifornien drei Alben releast, die in der Nachschau allesamt hervorragendes Material zu bieten hatten. Nach dem auf Krawall gebürsteten Fine Malt Lyrics (1992) und dem Nachfolger Same As It Ever Was (1994) erschien 1996 Truth Crushed To Earth Shall Rise Again. Und obwohl ihr drittes und letztes Album nie mein Lieblings-Longplayer der Truppe war, so enthält es doch den für mich besten House Of Pain-Track, der jemals rausgekommen ist: Fed Up, der hier sowohl als Original wie auch in der Remix-Variante drauf war. Die Frage ist, wie immer in der Rubrik Original vs. Remix: Welche Version ist besser?

Fed Up – Album-Version (DJ Lethal & Everlast)

Der Track featurete Cockni O’Dire (zu der Zeit mit Divine Styler festes Mitglied bei House Of Pain) und begeisterte mich durch die finstere Stimmung, die er verbreitete – der Beat von DJ Lethal, basierend auf Blessing In Disguise von Mitch Ryder, hätte auch den Gravediggaz alle Ehre gemacht – Everlast lässt hier allerdings die bei RZA, Fruitkwan und Poetic immer wieder durchblitzende Ironie komplett vermissen. Mit anderen Worten: Der Track war eine humorlos-düstere Granate und als eine der letzten Singles der Crew das krasse Gegenteil zu ihrem Party-Einstand Jump Around. Ein weiterer Pluspunkt war das absolut geniale Video, in dem Peter Greene alias Zed aus Pulp Fiction die Hauptrolle spielte und das hart an Psychothriller wie Jacob’s Ladder erinnerte

Fed Up – Remix (DJ Lethal & Everlast)

Der Fed Up Remix, Track 11 auf dem Album, kam mit einem ganz besonderen Gast: Keith Elam aka Gifted Unlimited Rhymes Universal – oder einfach auch nur Guru – jointe Everlast am Mikrofon. Der Beat basiert im Gegensatz zum Original auf E.V.A. von Jean-Jacques Perrey – ein Sample, das Guru bereits bestens bekannt war, nutzte DJ Premier es doch schon für Just To Get A Rep (1990) von Gang Starr. Der Remix läuft eine Spur schneller als das Original und kommt weit weniger bedrohlich daher, während sich Guru und Everlast locker-flockig die Rhyme-Vorlagen zuspielen. Als Bonus wurde auch dem Fed Up Remix ein Video spendiert – Club-Atmosphäre statt Psychothriller ist hier das Motto, was den abschließenden Eindruck bestätigt: Remix und Original sind vom Vibe her meilenweit voneinander entfernt.

Fazit: Wer macht es besser?

Da beide Versionen von DJ Lethal produziert wurden, erübrigt sich die Frage, welcher Producer seinen Job hier besser gemacht hat. Aber auch sonst fällt es mir verdammt schwer, eine Siegervariante zu küren, da wir es hier trotz des gleichen Titels im Grunde genommen mit zwei völlig verschiedenen Tracks zu tun haben. Ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass Fed Up in der Ursprungsversion einer meiner Lieblingstracks aus dem gesamten Jahr 1996 ist… aber gleichzeitig muss ich feststellen, dass ich auch den Remix um nichts in der Welt missen möchte. Hier ist das Guru-Feature der wohl deutlichste Pluspunkt, da es sich auch nicht einfach nur um einen lieblosen, vom Label aufoktroyieren Gastpart handelt – im Gegenteil, die Chemie zwischen den beiden MCs stimmt einfach, die Erinnerung an Just To Get A Rep tut ihr übriges. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich damals beide Versionen nacheinander auf Tape überspielt und sie immer im Doppelpack gehört, was wahrscheinlich auch gut so war, schon um die emotionale Balance im Gleichgewicht zu halten. Einen Favoriten kann ich aus diesen Gründen dieses Mal nicht ausmachen, für mich liegt hier ein ganz klares „Unentschieden“ vor, wenn es je eines gegeben hat. Nur das Video zum Original, das ist und bleibt unschlagbar.

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