Pionierarbeit: Konkret Finn – Gib mir die Zeit (1994)

Ich könnte jetzt irgendwas davon erzählen, wie einflussreich die Frankfurter Tone, Iz und DJ Feedback alias Konkret Finn waren. Dass Tones Flow von damals auch in den nächsten Jahrzehnten kaum zu überbieten sein wird. Dass Ich diss dich zur Grundausbildung für jeden gehört, der sich mit deutschem Battle-Rap beschäftigt, den es ohne diese Single vielleicht nie gegeben hätte. Worte wie legendär, Klassiker oder zeitlos würden vermutlich in jedem zweiten Satz fallen. Das Gequatsche spare ich mir und gehe gleich über zu Gib mir die Zeit – der Rest erschließt sich dann ganz von selbst.

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3rd Bass – Pop Goes The Weasel (1991) und ein paar interessante Fakten

3rd Bass: MC Serch, DJ Richie Rich, Prime Minister Pete Nice

3rd Bass waren sich nie zu schade, kräftig gegen die kommerziell erfolgreiche Konkurrenz auszuteilen. Hatten auf dem Cactus Album bereits die Beastie Boys und MC Hammer ihr Fett wegbekommen, so war das erklärte Ziel auf dem Folgealbum Derelicts of Dialect der Rapper Vanilla Ice.

Auf der Single Pop Goes The Weasel wird der Eismann zwar nicht namentlich erwähnt, dafür spricht das Video eine deutliche Sprache. Ironischerweise wurde der Track mit der antikommerziellen Message das kommerziell erfolgreichste Stück von 3rd Bass und erreichte Platz 1 der US-Rap-Charts.

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Neben ihren beiden Alben ist die Gruppe auch für einige bemerkenswerte Stories gut – vor allem Serch schien während der 90er permanent in Lebensgefahr zu schweben. Hier ein paar interessante Fakten über 3rd Bass:

  • Prime Minister Pete Nice eröffnete nach der Trennung von 3rd Bass einen Laden für Baseball-Souvenirs in New York und wurde in einen Skandal um gefälschte Sammelkarten verstrickt. Seiner Begeisterung für den Sport verlieh er auch im Video zu Rat Bastard Ausdruck, in dessen Intro er einen MC-Serch-Doppelgänger mit der Baseballkeule erschlägt.
  • Der Darsteller von Vanilla Ice, der im Video zu Pop Goes The Weasel kräftig aufs Maul bekommt, ist Henry Rollins (Black Flag).
  • Als MC Serch A&R des Labels Wild Pitch war, stürmten Main Source mit Macheten bewaffnet in sein Büro – der Legende nach, um ihn zu enthaupten. Sie hatten Serch in Verdacht, in LA einen Anschlag auf sie geplant zu haben. (Quelle)
  • Pete Nice gilt als Entdecker des Rappers Cage Kennylz  (Agent Orange, Hells Winter). Dieser lieferte seine erste offizielle Strophe auf dem Track Rich Bring’em Back ab, zu finden auf dem Album Dust To Dust (1993) von Pete Nice und Richie Rich.
  • Anfang der 90er setzte MC Hammer ein Kopfgeld von 60.000 $ auf 3rd Bass aus, weil er eine Zeile auf The Cactus Album als Diss gegen seine Mutter interpretiert hatte. Als Folge wurden MC Serch und Co. bei ihrem LA-Besuch von einem hochrangigen Gang-Lieutenant namens Pookie begleitet, der mit seinen Connections dafür sorgte, dass sie nicht umgebracht wurden.
  • MC Serch war maßgeblich verantwortlich dafür, dass Necro nie ein festes Mitglied bei Non Phixion wurde. Anscheinend kamen die beiden nicht besonders gut miteinander klar – Necro dazu: “He didn’t want me down, cuz I was too thugged out [...] he was nervous and a hater“. (Quelle)
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Reggae-Special: Gentleman LIVE in Köln / Montego Bay, Jamaica (1994)

Gentleman wurde hierzulande durch die Mellowbag-Freundeskreis-Nummer Tabula Rasa bekannt – doch schon vorher sorgte sein authentischer Sound für Aufsehen, und zwar nicht nur in der deutschen Szene, sondern auch in Jamaika, der Geburtsstätte des Reggae. Anlässlich eines Besuch im Freestyle-Studio wurde ein Mitschnitt seines Auftritts im Bob Marley Center in Montego Bay gesendet. Gentleman entert die Bühne dermaßen selbstbewusst, dass sich jegliche Skepsis des Publikums sofort in Luft auflöst… Respekt! Den Seitenhieb auf einen anderen weißen Reggae-Künstler, der mit Informer einen Welthit landete, gibt’s gratis:

People come to me and say you can’t be a next Snow – me look and tell dem me don’t want no snow, me want sunshine!

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Gentleman – When the Sunlight go down

Zusammen mit Don Abi gab Gentleman dann auch noch zwei Tunes im Kölner Studio zum besten. Das erste Ding ist eine Dedication an den Musiker Garnett Silk, der kurz zuvor beim Versuch ums Leben kam, seine Mutter aus ihrem brennenden Haus in Jamaika zu retten.

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Das zweite Stück von Don Abi und Mr. Gentleman – noch namenlos, wer den Titel kennt, der kann ihn gerne per Kommentarfunktion mitteilen!

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Mehr Infos über Gentleman findet Ihr übrigens auf der offiziellen Fanpage.

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N.W.A laden schwer kranken Fan ins Studio ein (Right On!, 1992)

Schöner Original-Scan für den Sonntag aus dem US-Magazin Right On! (September 1992): N.W.A haben einen Fan aus Illinois einfliegen lassen, damit er einen Tag mit seinen Idolen verbringen kann. Sie erfüllen dem schwer kranken Jungen seinen größten Wunsch und strafen all diejenigen Lügen, die in jedem Gangsta-Rapper ein zynisches und menschenverachtendes Ungeheuer sehen wollen.

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Sound of da Police: 5ive-O – Pi-Yi-Yow (1994)

Die Hip Hop Polizei trieb schon 1994 ihr Unwesen. Nix Zivilstreife, nix undercover, 5ive-O gingen uniformiert und in voller Montur auf  die Jagd nach faulen Eiern in den eigenen Reihen. Die Idee, mit einer Gruppe Rap-Cops einen Gegenpol zur voranschreitenden Gangsta-Kultur im Hip-Hop zu schaffen, stammte von niemand  geringerem als Chuck D, dem Initiator der schlagkräftigen Truppe. Zum Dienst im Homicide Squad of Hip Hop eingeteilt waren B-Wyze, Obie (beide ehemals bei Professor Griffs Last Asiatic Disciples), Butch Cassidy (Hypeman beim Public-Enemy-Vorgänger Spectrum City) und Kevlar.

Die Uniformen waren nicht nur ein optisches Gimmick, auch textlich wurde die Law-and-Order-Schiene voll durchgezogen. Die Tracknamen auf dem Album If U R Not Part Uv Da Solution sprechen für sich: Manhunt, Freeze, Chase is On, Patdown… strikt nach Vorschrift werden Gangster und korrupte Cops dingfest und die Nachbarschaften ein kleines bißchen sicherer gemacht.

Das rare Video zur Single Pi-Yi-Yow zeigt den langen Arm des Gesetzes im Einsatz auf den Straßen New Yorks, und das mit einem beachtlichen Waffenarsenal zur Verbrechensbekämpfung – siehe die aus dem Ärmel abgefeuerte Rakete bei Minute 3:00. Passenderweise lief der Clip bei VIVA Freestyle gleich nach Boulevard Bous Geh zur Polizei.

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Infos zu 5ive-O im Netz sind ähnlich rar wie das Video, wer mehr wissen möchte, der sollte sich diesen ausgezeichneten Artkel von Jesse Serwer ansehen, der mir als Quelle diente.

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Terminator: Die Elektro-Vergangenheit von Kid Frost (1984-1985)

Back in the days... Kid Frost

Zeit für West Coast Old School: Ich kenne Kid Frost eigentlich erst aus den Tagen von Hispanic Causing Panic und Latin Alliance. Mitte der 80er rappte Arturo Molina, Jr. allerdings auch schon, und zwar über astreine Elektro-Beats. Den Anfang machte 1984 die Maxi Rough Cut, erschienen auf – na klar – Electrobeat Records. Für die Scratches sorgte DJ Yella, damals World Class Wreckin Cru, später N.W.A.

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Im selben Jahr ließ Frost mit Commando Rock featuring C-Jam die Kontakte glühen… ain’t no stoppin’, commando rockin’.

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1985 beendete der Battle Gladiator seine kurze, aber heftige Elektro-Karriere mit dem zeitlosen Terminator – der gleichnamige Schwarzenegger-Film war da gerade mal ein Jahr alt, damn.

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Anschließend gönnte sich Frost eine fünfjährige Auszeit, um 1990 mit der Chicano-Hymne La Raza auf die Bildfläche zurückzukehren und fortan (wie viele Ex-Elektroniker von der Westküste) auf der Gangsta-Rap-Schiene Richtung Sonnenuntergang zu cruisen.

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Kontroverse Tracks der 90er (Teil 1):
Lyrische Attentate – Politiker im Fadenkreuz

Politiker jeder Rangordnung geben heute zu, hin und wieder auch mal dem Sprechgesang zu lauschen. Das war nicht immer so. Vielmehr begegneten sich Rap und Politik in den 90ern größtenteils feindselig. Bürgermeister, Gouverneure und Präsidenten bekamen den Zorn einer Kultur zu spüren, die sie nicht kontrollieren konnten. Die Verbalattacken reichten vom Partykracher (2 Live Crew – Fuck Martinez) bis zur offenen Anklage (Tragedy the Intelligent Hoodlum – Arrest The President). Einige Rapper schossen schärfer und zeichnten Szenarien, in denen das vorzeitige  Ableben  mehr oder weniger bedeutender Staatsvertreter diskutiert wurde: Hier ist die sprichwörtliche Hitliste mit vier Tracks, die keinen Hehl aus ihrer Message machen.

Non Phixion – I Shot Reagan (1998)

The government is thugs, that’s why the leader caught a slug… Ein Präsident, der zuvor als Schauspieler in vielen Rollen glänzte (unter anderem Seite an Seite mit Bonzo, dem Schimpansen), eine Crackepidemie in den Straßen und ein Geheimdienst mit Blankovollmacht, die Welt einen Schritt näher an den Abgrund zu stoßen: Die guten alten Zeiten. 1981 wurde  Ronald Reagan in Washington, D.C. niedergeschossen – offiziell war es John Hinckley, der den Abzug betätigte, um damit Jodie Foster zu beeindrucken (was übrigens nicht funktionierte). 17 Jahre später übernahmen Ill Bill, Goretex, Sabac Red und Necrodamus aka Necro die verbale Verantwortung.

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Paris – Bush Killa (1992)

Hey, Mr. President… Man kann um den heißen Brei herumreden. Oder man macht es weniger subtil wie Paris und widmet dem amtierenden Präsidenten gleich eine musikalische Morddrohung.  Wer sich dann noch im Booklet mit der Waffe hinter dem Baum wartend präsentiert, während George Sr. vorbeischreitet, der rechnet mit einer gewissen Medienresonanz. Der Vorteil für die Journalisten: dank Titel und Foto mussten sie das Lied nicht einmal mehr hören, um ein Fass aufzumachen. Der Vorteil für Paris: dringend benötigte Publicity, musste er das Album Sleeping With The Enemy doch auf seinem eigenen Label Scarface rausbringen – Tommy Boy Records war die Sache etwas zu heiß.

http://www.dailymotion.com/video/xcc5ku



Screwball – Who Shot Rudy (1999)

If you see a devil, smash him… Ex-Präsidentschaftskandidat Rudy Giuliani stand während seiner ersten Amtszeit als Bürgermeister von New York City für eine “Zero Tolerance”-Politik. Diese basierte unter anderem auf der Annahme, durch rigorose Verfolgung “kleinerer” Delikte wie Graffiti und Cannabisbesitz einen generellen Abschreckungseffekt erzielen zu können. Währenddessen häuften sich Berichte über unverhältnismäßig brutales Vorgehen der Polizei und fagwürdige Tötungen von unbewaffneten Verdächtigen. Screwball aus Queensbridge stellten deshalb die Frage: Who Shot Rudy?

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Public Enemy – By The Time I Get To Arizona (1991)

What’s a smiling face, when the whole state’s racist? Fife Symington III, seines Zeichens Gouverneur von Arizona, weigerte sich 1991, den Geburtstag von Martin Luther King als Feiertag anzuerkennen. Chuck D, Flava Flav und Sista Souljah buchten samt Anhang umgehend eine Reise in den Bundesstaat, um den Politiker und weitere Verantwortliche (u.a. auch John McCain) mittels vergifteter Pralinen, Sprengstoff und Nahkampf-Techniken eines besseren zu belehren. Heraus kam ein äußerst kontroverses Video und einer der besten Tracks der Gruppe. Und dank der umstrittenen neuen Einwanderunsgesetze in Arizona sammelt Chuck D heute wieder Vielfliegermeilen.

http://www.dailymotion.com/video/x26fzj
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